Mit einem Flugboot über den Atlantik – eines der letzten großen Luftfahrtabenteuer
Wie fünf Luftfahrtlegenden mit einer historischen Sikorsky S-38 Geschichte schrieben – und warum ihre Reise Jahre später am Wolfgangsee weiterging.
Irgendwo über Grönland.
Über dem Flugboot hängen schwere Wolken, unter ihm steigt Nebel aus den eisigen Fjorden auf. Dazwischen bleibt nur ein schmaler Streifen freien Himmels – kaum breit genug für eine Maschine, deren Konstruktion aus einer Zeit stammt, in der die Luftfahrt noch Pionierarbeit war. Rund 200 Fuß über dem Wasser gleitet die Sikorsky S-38 durch das graue Licht. Rechts und links ragen steile Felswände auf. Ein Wetterradar gibt es nicht. Keinen Autopiloten. Keine digitale Navigation.
Nur einen Magnetkompass. Vier aufmerksame Augenpaare. Und das Vertrauen in jahrzehntelange fliegerische Erfahrung.
Es sind genau diese Momente, in denen aus einem Flug eine Geschichte wird.
Eine Idee, die niemand für möglich hielt
Als Tom Schrade und Frank Franke Jahre zuvor bei einem Fly-in des Luftfahrtmäzens Barron Hilton zusammensaßen, entstand eine Idee, die zunächst eher wie eine kühne Fantasie klang: Mit einem historischen Flugboot den Atlantik überqueren – von Florida bis nach Frankfurt.
Nicht mit einem modernen Businessjet. Nicht mit aktueller Avionik.
Sondern mit einer Sikorsky S-38.
Viele hielten den Plan für romantisch. Andere schlicht für unmöglich. Einige Experten bezweifelten sogar, dass das Flugboot überhaupt Grönland erreichen würde. Doch genau solche Zweifel waren für die Crew eher Antrieb als Hindernis.
Im Sommer 2010 wurde aus der Idee Realität. Die Atlantiküberquerung stand zugleich im Zeichen der Kinderhilfsorganisation Wings of Hope, für die die außergewöhnliche Reise Aufmerksamkeit schaffen sollte.
Eine fliegende Legende
Die Sikorsky S-38 gehört zu den berühmtesten Flugbooten der Luftfahrtgeschichte. Als Igor Sikorsky sie Ende der 1920er-Jahre entwickelte, eröffnete sie völlig neue Möglichkeiten für Expeditionen in Regionen, die auf dem Landweg kaum erreichbar waren.
Mit genau diesem Flugzeug erkundeten Martin und Osa Johnson Afrika aus der Luft. Ihre legendäre zebragestreifte „Osa's Ark“ wurde weltberühmt.
Die Maschine, mit der Tom Schrade den Atlantik überquerte, trägt dieselbe Lackierung. Sie ist die weltweit einzige flugfähige Nachbildung einer S-38, aufgebaut mit zahlreichen Originalteilen – eine fliegende Hommage an die große Zeit der Entdecker.
Selbst Hollywood ließ sich von ihr begeistern. In den Eröffnungsszenen von The Aviator sitzt niemand Geringeres als Tom Schrade selbst am Steuer der historischen Maschine.
Fünf Legenden an Bord
Fünf Männer, ein Flugboot, ein Ozean. So außergewöhnlich wie die Maschine war ihre Crew: Tom J. Schrade, Pilot, Eigner und Living Legends of Aviation Consultant. Dr. Ulf Merbold, der erste Westdeutsche im All. Frank Franke, Präsident von Wings of Hope und Chronist der Reise. Bruno Gantenbrink, mehrfacher Segelflug-Weltmeister und einer der renommiertesten Piloten Europas. Und Tom Enders, der langjährige Airbus-Chef, der die Crew komplettierte. Alle (Bruno Gantenbrink in Anfrage) werden auch heuer wieder selbst zur Gala der scalaria Living Legends of Aviation an den Wolfgangsee reisen.

Als der Fjord immer enger wurde
Der Flug von Iqaluit in Kanada nach Kangerlussuaq in Grönland begann zunächst ruhig. Doch schon bald zwang die tief hängende Wolkendecke die Crew auf 7.000 Fuß, wo sie fast eine Stunde lang blind durch die Wolken flog. Erst im Sinkflug öffnete sich der Blick auf einen langen Fjord, dem Tom Schrade und Bruno Gantenbrink mit der Sikorsky S-38 folgten.
Mit jedem Kilometer wurde die Sicht schlechter. Die Wolkendecke sank immer tiefer, Nebel zog über das Wasser, und plötzlich tauchte aus dem Dunst ein riesiger Schleppbagger auf – ein surrealer Anblick mitten in der arktischen Wildnis. Als Frank Franke vorschlug, vorsichtshalber zu landen, entschied sich die Crew zunächst zum Weiterflug. Erst wenige Minuten später war auch Bruno Gantenbrink überzeugt, dass eine Landung die bessere Wahl wäre. Doch solange das Wasser noch sichtbar blieb, wagten sie den Weg weiter – mit Erfolg. Wenig später erreichte die Sikorsky sicher Kangerlussuaq.
Am Flugplatz parkte das historische Flugboot schließlich neben einem modernen Businessjet der kanadischen Air Force. Als Frank Franke erklärte, dass die Reise in Frankfurt enden sollte, reagierte ein kanadischer Pilot nur mit einem ungläubigen Lachen: „Mit der alten Kiste? Das schafft ihr niemals.“ Wenige Tage später bewies die Crew das Gegenteil und schrieb Luftfahrtgeschichte.
„Das werdet ihr mit der alten Kiste niemals schaffen“, hatte einer der kanadischen Piloten der Crew noch zugerufen.
Wenige Tage später setzte die Sikorsky S-38 auf der Landebahn 25 des Frankfurter Flughafens auf – langsam, majestätisch und mitten im hektischen Jetverkehr. Das historische Flugboot hatte den Atlantik bezwungen und bewiesen, dass Pioniergeist, Erfahrung und Vertrauen manchmal stärker sind als modernste Technik.
Vom Atlantik an den Wolfgangsee
Doch die Geschichte der zebragestreiften Sikorsky war damit noch nicht zu Ende. Ihre Reisen führten sie über Afrika, den Nahen Osten und große Teile Europas – und schließlich auch an den Wolfgangsee. Im Rahmen der scalaria Air Challenge 2012 landete das legendäre Flugboot direkt vor der scalaria und begeisterte tausende Zuschauer.
Heute gehört die weltweit einzige flugfähige Nachbildung einer Sikorsky S-38 zur berühmten Fantasy of Flight-Sammlung in Florida und ist bis heute in der Luft. Ihre Geschichte lebt jedoch nicht nur durch das Flugzeug weiter, sondern vor allem durch die Menschen, die den Mut hatten, Grenzen zu überschreiten. Genau diesen Pioniergeist feiern die Living Legends of Aviation – und genau deshalb kehren viele dieser außergewöhnlichen Persönlichkeiten Jahr für Jahr an den Wolfgangsee zurück.

Am 5. September 2026 treffen sich die lebenden Legenden wieder – wenn im scalaria DO-X teatro die scalaria Living Legends of Aviation Europe Awards vergeben werden und Geschichten wie diese den Pioniergeist der Luftfahrt lebendig halten.
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Für die Award-Gala stehen exklusive Tisch-Konzepte und Sponsor Tickets für Unternehmen, Partner und Gäste zur Verfügung – alle Informationen und Anfragen unter scalaria.com/living-legends-of-aviation.







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